Dekubitusprophylaxe - Hautpflege
5. Gewebetoleranz fördern und erhöhen
Eine gute Hautpflege ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der
Dekubitusprophylaxe. Ziel der Hautpflege ist eine intakte Haut,
da vorgeschädigte Haut das Dekubitusrisiko deutlich erhöht. Aus
diesem Grund soll an dieser Stelle kurz auf das Thema Hautpflege
durch Waschen und Anwendung von Körperpflegemitteln
eingegangen werden.
Grundsätzlich gilt, dass jeder Wasserkontakt den natürlichen
Schutzmantel der Haut angreift. Dementsprechend sollte die
pflegende Person genau abwägen, wann, wie und ob der Patient gewaschen
werden soll. Es können therapeutische und reinigende Ganz- oder
Teilkörperwaschungen ausgeführt werden.
Bei der reinigenden Körperwaschung ist folgendes zu bedenken:
Diese Form der Waschung ist ausschließlich unter dem Reinigungsaspekt
zu sehen. Sie sollte nur dann erfolgen, wenn es wirklich notwendig
ist. Warmes Wasser schädigt die Haut stärker als kaltes.
Folglich sollte möglichst kühles Wasser ohne Waschzusätze
verwendet werden. Kann aufgrund von Verunreinigungen (z. B. mit
Kot) nicht auf reinigende Substanzen verzichtet werden, sollten
flüssige, waschaktive Substanzen benutzt werden. Diese
Lotionen haben einen großen Anteil an rückfettenden Bestandteilen,
die jedoch in der Regel nicht ausreichen, um den ursprünglichen
Zustand der Haut wiederherzustellen. Nach dem Gebrauch von Seifen
und Waschlotionen sollte mit klarem Wasser nachgewaschen werden.
Handelt es sich bei der Haut des zu Pflegenden um eine ausgesprochen
trockene und spröde Haut, sollten möglichst Ölbäderzusätze
benutzt werden. Bei Ölbädern ist darauf zu achten, dass es sich
um Emulsionen handelt, die sich mit dem Wasser gut mischen. Die
Verwendung von reinem Öl, wie z.B. Babyöl, im Waschwasser hat
keinen Nutzen, da dieses Öl lediglich auf der Wasseroberfläche
schwimmt und nicht in die Haut einzieht.
Körperwaschung
- Die Wünsche des Patienten sind zu berücksichtigen.
- Dem Patienten muss Schritt für Schritt erklärt werden,
welche Handlung folgen wird.
- Es sollten vertraute Körperpflegemittel eingesetzt werden,
wie z. B. die gewohnte Seife oder die eigene Körperlotion.
- Der Patient sollte die Handlungen, die er selber ausführen
kann, auch selbstständig ohne Hilfe der Pflegeperson ausüben.
- Der Pflegende sollte nur dann aktiv werden, wenn der
Patient bestimmte Handlungen gar nicht ausführen kann.
- Die Köperpflege sollte im vertrauten Badezimmer stattfinden
- Die Intimsphäre des Patienten ist zu schützen
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Beruhigende Körperwaschung
Die beruhigende Körperwaschung dient der Entspannung des
Patienten. Selbst bei aufgeregten und nervösen Patienten fördert
sie den Schlaf. Gesteigerte Puls- oder Blutdruckwerte können durch
eine solche therapeutische Waschung gesenkt werden.
Um diese Wirkung zu erzielen, sollten einige Punkte bei der Durchführung
dieser Waschung beachtet werden. Wichtig ist, dass die Temperatur
des Wassers 40° - 42°C (bei Fieberpatienten 30°C) betragen
sollte. Begonnen wird diese Waschung bei Oberkörper und Armen,
beendet im Gesicht. Grundsätzlich sollte mit der Haarwuchsrichtung
gewaschen werden. Genau wie bei Hund oder Katze wächst auch die
menschliche Körperbehaarung in bestimmte Richtungen. Bei diesem
Vorgang sollte die pflegende Person völlige Ruhe ausstrahlen.
Auch das Abtrocknen des Patienten sollte nicht durch "Trockenrubbeln"
erfolgen, auch hier ist mit der Haarwuchsrichtung zu arbeiten.
Um die beruhigende Wirkung der Waschung zu verstärken kann Lavendellotion
dem Wasser zugesetzt werden.
Belebende Körperwaschung
Es kann aber auch belebend, stimulierend gewaschen werden.
Dazu sollte die Wassertemperatur 25° - 28°C betragen. Hier
ist es, um die belebende Wirkung zu erreichen wichtig, gegen
die Haarwuchsrichtung zu waschen und abzutrocknen.
Zur Verstärkung dieser therapeutisch-pflegerischen Waschung kann
Rosmarinlotion im Wasser verwendet werden. Die Auswirkungen
einer solchen Pflegehandlung stehen im Gegensatz zu denen der
beruhigenden Waschung. Der Patient wird in einen sehr wachen,
aktiven, aufnahmefähigen Zustand versetzt. Die Anspannung
der Muskulatur steigt, der Kreislauf wird angeregt. Der Patient
kann im Anschluss besonders gut mobilisiert werden.
Auch Cremes, Lotionen und Pasten, also Hautpflegeprodukte,
müssen der Haut des Patienten angemessen sein. Der Fettgehalt
eines Pflegepräparates muss mit dem Trockenheitsgrad der Haut
steigen. Zur Versorgung der normalen bis trockenen Haut werden
sogenannte W/O-Präparate, d.h. Wasser-in-Öl-Verbindungen verwendet.
Ihr Wasseranteil ist sehr gering. Pflegende sollten beim Kauf
auf die Kennzeichnung achten oder den Rat von Drogisten und Apothekern
einholen. Die W/O-Präparate überziehen die Haut mit einem Fett-Wassermantel,
der sie vor der Austrocknung schützt. Der geringe Wasseranteil
lässt trotz des Fettfilms auf der Haut eine kontinuierliche Abgabe
von Schweiß und Wärme zu.
Neben diesen W/O-Präparaten werden häufig O/W-Präparate
(Öl-in-Wasser-Verbindungen) verwendet. In diesen Pflegeprodukten
überwiegt der Wasseranteil deutlich. Der Wasseranteil dringt rasch
in die oberste Hautschicht und lässt sie aufquellen, so dass sich
die Hautoberfläche vergrößert. Damit wird die Verdunstung von
Feuchtigkeit forciert. Die Haut wird durch diese Präparate deutlich
trockener. Dementsprechend sollten diese Produkte nur bei der
Pflege fettiger Haut eingesetzt werden.
Wichtige Hinweise:
1 Jahrelang wurde die prophylaktische
Maßnahme des "Eisens und Fönens" praktiziert. Durch die
Kalt-Warm-Wechselwirkung versprach man sich die Blutzirkulation
im Gewebe zu verbessern. Untersuchungen haben jedoch ergeben,
dass sich diese nicht verbessert und außerdem die Haut durch das
Einreiben mit Eis geschädigt wird. Das anschließende Fönen trocknet
die Haut zusätzlich aus. Die Untersuchungsergebnisse lassen dementsprechend
die Anwendung dieser Methode zur Dekubitusprophylaxe nicht weiter
zu.
2 Auch alkoholische Einreibungen,
wie z. B. mit Franzbranntwein, sind zur Dekubitusprophylaxe
nicht geeignet, da Alkohol zur Austrocknung der Haut führt. Häufig
äußern Patienten jedoch den Wunsch, wegen des erfrischenden Effekts
mit Franzbranntwein eingerieben zu werden. Diesem Wunsch kann
unter Umständen im Hinblick auf eine individuelle, patientenbezogene
Pflege nachgekommen werden. Jedoch sollte die entsprechende Hautpartie
mit einem W/O-Präparat nachbehandelt werden.
3 Gelegentlich wird auch Zinkpaste
zur Prophylaxe eingesetzt. Diese Maßnahme ist nicht ratsam. Die
weiße Paste deckt die Haut optisch ab und macht eine Hautbeobachtung
schwierig. Zinkoxid hat zudem auf intakter Haut keine sinnvolle
Funktion, es trocknet die Haut sogar aus.
4 Weiterhin nicht empfehlenswert
zur Vorbeugung eines Druckgeschwürs ist das Verwenden von färbenden
quecksilberhaltigen Lösungen. Diese Lösungen verfärben
das entsprechende Hautareal so stark, dass Hautveränderungen nur
sehr schlecht beobachtbar sind. Außerdem weisen die Präparate
eine hohe Quecksilbertoxizität auf und wirken sich damit langfristig
auf das zentrale Nervensystem und die Leber aus.
5 Leider werden heute noch relativ
oft reine Fettprodukte, wie z. B. Melkfett, Vaseline
oder Babyöl zur Hautpflege benutzt. Die Anwendung dieser
Produkte ist nicht zu empfehlen, da aufgrund der Abdichtung der
Hautporen keinerlei Wärmeaustausch stattfinden kann. Zudem befinden
sich in Melkfett und Vaseline häufig unerwünschte Zusätze von
Antibiotika oder Desinfektionsmittel.
Verbot von:
- Hyperämisierende Substanzen, wie ABC-Salbe, Phlogont,
Phardol
- hautabdeckende Pasten und Puder, z. B. Pasta zinci,
Babypuder
- porenverstopfende Fettsubstanzen, z. B. Vaseline, Babyöl,
Melkfett
- Seife
- hautreizende, allergenisierende Mixturen, z. B. Franzbranntwein,
Alkohol
- Desinfektionsmittel
- farbige, quecksilberhaltige Mixturen, z. B. Mercuchrom
- Massage der gefährdeten Hautstellen
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