Dekubitustherapie - Wundversorgung
Lokaltherapie
Die lokale Dekubitusbehandlung ist ein zweiter wichtiger Aspekt
der Gesamttherapie. Sie besteht aus:
- Nekrosenentfernung / Débridement
- Infektionsbekämpfung
- phasengerechte Wundversorgung
- feuchte Wundbehandlung
- Wundkonditionierung
- weitere Therapieformen
Nekrosenentfernung - Débridement
Nekrosen behindern die Wundheilung und fördern die Entwicklung
von Entzündungen. Gerade geschlossene Nekrosedeckel, schwarze
Platten auf der Wunde, beinhalten ein besonders großes Infektionsrisiko.
Existieren Infektionen unter dem Nekrosedeckel, breiten sie sich
durch tiefere Gewebeschichten bis zum Knochen aus. Folglich muss
das abgestorbene Gewebe entfernt werden. Bei großen Nekrosen erfolgt
die Entfernung durch einen chirurgischen Eingriff. Sind die Nekrosen
kleiner oder müssen Restnekrosen nach chirurgischen Eingriffen
beseitigt werden, können physikalische, bio-chirurgische oder
enzymetische Verfahren zur Lösung der Nekrosen dienen.
Infektionsbekämpfung
Aufgrund des Sauerstoffmangels und anderer patho-physiologischer
Mechanismen ist ein Druckgeschwür besonders anfällig für Infektionen.
Zur Bekämpfung dieser Infektionen sollte ebenfalls für eine ausreichende
Sauerstoffzufuhr gesorgt werden.
Gegen die Infektion kann die Wunde direkt mit einem Antiseptikum
oder mit Spülungen mit 0,9% NaCl-Lösung bzw. Ringerlösung behandelt
werden. Wird ein Antiseptikum zur Wundreinigung eingesetzt, sollte
dieses so gewählt werden, dass es keine zusätzlichen Schmerzen
verursacht. Es darf nur so lange angewendet werden, bis die Entzündung
abgeklungen ist und sich ein sauberes, hell rotes Gewebe in der
Wunde zeigt.
Phasengerechte Wundversorgung
Ein Druckgeschwür durchläuft verschiedene Wundheilungsphasen.
Jede einzelne dieser Phasen erfordert speziell lokal-therapeutische
Maßnahmen.
Man unterscheidet:
- die Reinigungsphase
- die Granulationsphase
- die Epithelisierungsphase
Nach dem Wundheilungsstadium richtet sich die Auswahl des Verbandmaterials.
Feuchte Wundbehandlung - Wichtig !
Ein Dekubitus, wie auch alle anderen chronischen und sekundärheilenden
Wunden, muss mittels feuchter Wundbehandlung therapiert
werden. Die trockene Versorgung einer solchen Wunde muss
heute als Therapiefehler bezeichnet werden, da sie die Wundheilung
massiv negativ beeinflusst. Arbeiten von Wintter (1971)
bieten die wissenschaftliche Grundlage für den Ansatz der
feuchten Wundtherapie.
|
Wundkonditionierung - weitere Therapien
Von einer Wundkonditionierung spricht man, wenn ein granulationsfördernder
Reiz auf die Wunde ausgeübt wird. Dieser Reiz kann durch verschiedene
Maßnahmen ausgeübt werden. Beispielsweise eignen sich Polyurethan-Wundauflagen
zur Konditionierung schlecht heilender Wunden. Sie können große
Mengen an Wundsekret und nekrotischem Material aufnehmen. Zudem
sorgen sie für ein feuchtes Milieu der Wunde. Handelt es sich
um einen offenporigen Schaum, kann in diesem Gewebe einwachsen.
Durch den Verbandwechsel wird die Wunde aufgefrischt und die Wundgranulation
gefördert.
Eine in Deutschland noch relativ unbekannte Behandlungsmethode,
ist die der gepulsten elektrischen Stimulation. Dabei wird
die Wunde mit Impulsen positiver und negativer Polarität behandelt.
Diese Anwendung erfolgt 2 x täglich über 30 Minuten.
Zu den neueren Therapieverfahren zählt auch die sogenannte Vakuumversiegelungstechnik.
Hier wird die Wunde mit einem Polyvinylalkohol-Schaumstoff mit
ableitender Drainage ausgekleidet und mit einer Polyurethanfolie
abgedeckt. Es wird durch die Drainagierung ein Unterdruck erzeugt,
der zu einer Förderung des Aufbaus von Granulationsgewebes führt.
| Verlaufsphase |
Anforderung an den Wundverband |
Geeignete Wundverbände (Beispiele) |
| Reinigungsphase |
Förderung der Selbstreinigungsmechanismen
der Wunde |
|
schwarze,
trockene Nekrose |
- Feuchtigkeit zuführen
- Feuchtigkeitsretention
- Aufweichen von Nekrosen |
primär chirurgisches Débridement, ansonsten:
- Hydrogele + Deckverband
- evtl. Feuchtverbände |
grau-gelbe,
feuchte Nekrose |
- ausreichende Absorption
- Auflösen von Belägen
- bei tiefen Wunden: Kontakt zur Wundfläche
- Erhaltung eines feuchten Wundmilieus |
chirurgisches Débridement.
zusätzlich:
- Alginate in Kompressenform oder als Pamponade
- Polyurethanschäume
- Hydrokolloide
- Hydrogele + Deckverband |
infizierte,
belegte Wunde |
Aufnahme von Wundsekret, Bakterien und Eiter
- Aktivkohle-Silber-Auflage |
- Alginate
- Polyurethanschäume
- kristalline Kochsalzverbände
- Vorsicht bei Okklusivverbänden |
| Granulationsphase |
Förderung der Gewebsneubildung, Schutz des
neugebildeten Gewebes |
|
blass-rosa,
schlechte Granulation |
- Absorption von Wundsekret
- Wärmeisolierung
- Erhaltung eines feuchten Wundmilieus
- Polyurethanschaumauflage
- Wundkonditionierung |
- Alginate
- Hydrokolloide
- Kollagenschwämme |
| rote, feste Granulation |
- Schutz vor Austrocknung
- kein Verkleben mit der Wunde |
- Hydrokolloide
- Hydrogele + Deckverband
- Hydropolymere
- Kollagenschwämme
- Polyurethanschaumauflage |
Epithelisierungs-
phase |
Förderung der Zellteilung und -wanderung
im feuchten Milieu |
|
rosa
epithelisierend |
- Schutz vor Austrocknung
- mechanischer Schutz der Wunde
- kein Verkleben mit der Wunde |
- dünne Hydrokolloidverbände
- Hydrogele + Deckverband
- Hydropolymere |
Urheber: ICW
Evaluierung
Sind die Lokal- und Kausaltherapie für den Patienten ausgearbeitet
und im versorgenden Team besprochen und abgestimmt, gilt es diese
mit absoluter Konsequenz umzusetzen. Der Wundheilungsprozess muss
genauestens beobachtet und dokumentiert werden. Auch bedarf es
einer präzisen, fachgerechten Bewertung der Wundheilung. Es stellt
sich hierbei die einfache Frage: "Heilt der Dekubitus ?" Kann
diese Frage positiv beantwortet werden, gilt es die geplante Therapie
weiterhin durchzuführen und zu überwachen. Sollte jedoch festgestellt
werden, dass das Druckgeschwür nicht wie gewünscht abheilt, so
müssen die Therapiemaßnahmen sorgfältig überprüft und angepasst
werden.
Appell zur Heilung eines Dekubitus
Um einen Dekubitus zur Abheilung zu bringen, muss nach
dem eben beschriebenen Behandlungsschema verfahren werden.
Alle an der Therapie beteiligten Personen, wie Ärzte, Pflegende,
Patienten und Angehörige müssen Hand in Hand arbeiten und
sich an die ausgearbeitete Verfahrensweise halten, um den
Wundheilungsprozess zu forcieren und dem Patienten unnötiges
Leid zu ersparen.
|
|