Dekubitus-Problematik in Deutschland
Obwohl die Dekubitusproblematik durch Presseberichte und sogenannte
Pflegeskandale ins öffentliche Interesse gerückt wurde, und auch
die Rechtsmedizin und die Gerichte sich mehr und mehr mit dieser
Thematik beschäftigen, liegen in der Bundesrepublik Deutschland
keine gesicherten Zahlen über Dekubitusvorkommen und Folgekosten
vor, so dass wir uns bei der Betrachtung des Problems auf Expertenschätzungen
berufen müssen. Nach diesen Schätzungen, entwickeln jährlich mehr
als 400.000 1) Menschen einen behandlungsbedürftigen Dekubitus.
Betroffen sind vor allem immobile, kranke und ältere Menschen,
somit Bewohner und Patienten in Pflegeheimen, Krankenhäusern und
Pflegebedürftige im häuslichen Bereich.
Dieser Zahl stehen - ebenfalls geschätzte - Kosten in Höhe von
1 bis 2 Milliarden € gegenüber, die pro Jahr für die Therapie
von Dekubitalgeschwüren aufgewendet werden 2). Mindestens die
Hälfte dieser Kosten, so unter anderem lt. Robert-Koch-Institut,
könnten durch eine konsequente Durchführung der Dekubitusprophylaxe
und -therapie eingespart werden. Vor dem Hintergrund dieses Wissens,
ist der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen hinsichtlich
der Kostenübernahme für Prophylaxen angepasst worden. Auch für
Pflegende kann dies eine Erleichterung sein, wird doch oft die
Qualität ihrer Arbeit an dem Nichtvorhandensein eines Dekubitus
gemessen, den zu vermeiden durch schlechte Hilfsmittelversorgung
noch erschwert wird.
Die Berliner Prävalenzerhebung von 2006 belegt einen deutlichen
Rückgang an Dekubitalgeschwüren in den befragten Pflegeheimen
und Krankenhäusern im Vergleich zu den Vorjahren. Auch umstrittene
Hilfsmittel von deren Anwendung bereits abgeraten wurde, wie Felle,
Fersenschoner oder Sitzringe sind weitestgehend aus dem Pflegealltag
verbannt. Der Grund für diese erfreuliche Entwicklung konnte in
dieser Erhebung nicht erfasst werden. So bleibt augenblicklich
ungeklärt, ob der "Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der
Pflege" oder das Bemühen der Pflegenden in den Einrichtungen -
oder das Zusammenwirken beider Faktoren - zu diesem erfreulichen
Ergebnis geführt haben. Dies ist aber kein Grund, sich zurückzulehnen,
denn vielerorts besteht noch Informations- und Handlungsbedarf
in der Prophylaxe und Therapie von Dekubitalgeschwüren.
Auch zeigen aktuelle Modellrechnungen zur Bevölkerungsentwicklung,
dass insbesondere die Gruppe der hochaltrigen (d.h. 80 Jahre und
älter) in den kommenden Jahrzehnten einen starken Zuwachs verzeichnen
werden. Dementsprechend ist anzunehmen, dass auch die Zahl der
Betroffenen mit einem Dekubitalgeschwür proportional ansteigen
wird.
Das Thema Dekubitus hat nichts an Aktualität verloren. Diese
Seiten sollen informieren und einen Beitrag zur Hilfestellung
und Aufklärung bei der Betreuung und Pflege von Dekubituspatienten
leisten.
IGAP
August 2007
1) Gesundheitsberichterstattung des Bundes, RKI
2) vergl. Pelka 1997, zitiert nach DNQP 2002
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