Mikrolagerung - Eine unterstützenden Maßnahme zur
Prävention von Sekundärerkrankungen
Das Thema Lagerung hat trotz Expertenstandard Dekubitusprophylaxe
in der Pflege (ESDP) nicht an Aktualität verloren. Die am häufigsten
in der Praxis angewandte Lagerungsform ist die 30º Lagerung. Doch
gibt es neben dieser noch eine Vielzahl von weiteren Lagerungsvarianten,
wie beispielsweise Nestchen-, 135º-, Hohl- oder die V-Lagerung.
Einen neuen Denk- und Tätigkeitsansatz bietet die Mikrolagerung,
welche seit einiger Zeit als neue Begrifflichkeit Einzug in die
Pflege hält. Dahingehend spricht sich auch der Medizinische Dienst
der Krankenversicherung (MDK) in seiner Grundsatzstellungnahme
Dekubitus (Projektgruppe 32, Stand: 2001) positiv aus.
Wenn die Mikrolagerung thematisiert wird, so wird schnell klar,
dass viele schon davon gehört, aber mit der Umsetzung im Pflegealltag
Probleme haben. Wie bei der MiS
Micro-Stimulation, ein pflegetherapeutischer Ansatz zur Dekubitusprophylaxe
und -therapie, sollte neben der Druckentlastung auch die Bewegungsförderung
im Fokus der täglichen Pflege stehen.
Was ist eine Mikrolagerung?
Der gesunde liegende Mensch führt in einer Stunde zwischen 8
und 40 Mikrobewegungen durch. An diesem physiologischen Bewegungsmuster
orientiert sich die Mikrolagerung. Angestrebt werden physiologische
Positionsveränderungen in den Gelenken sowie unterstützende Lageveränderungen
durch Druckverteilung an Kopf, Schultern, Hüfte und des Fersenbereichs.
Welches Ziele hat die Mikrolagerung?
Es gilt mittlerweile als gesichert, dass kleinste Schwerpunktverlagerungen
ausreichen, um eine prophylaktische Wirkung zu erzielen. Die Häufigkeit
und Kontinuität in der Nachahmung des physiologischen Bewegungsmusters,
dient unterstützend der Vermeidung von Sekundärerkrankungen wie
z. B. Dekubitus, Pneumonie, Thrombose und Kontrakturen.
Eine Druckentlastung von bestimmten Körperarealen, wie bei der
Makrolagerung, wird nicht erzielt. Die Mikrolagerung dient der
zeitweiligen Entlastung (Druckverteilung), aber ersetzt nicht
das regelmäßige Umlagern.
Bei wem kann die Mikrolagerung angewendet werden?
Die Mikrolagerung kann bei allen Patienten angewendet werden,
die sich nicht ausreichend selbst bewegen können und aufgrund
dessen seitens der Pflege Unterstützung in ihrer Bewegung
und Mobilität bedürfen.
Diese Lagerungsvariante eignet sich besonders gut für Schmerzpatienten
oder den nächtlichen Positionswechsel. Sie bietet die Möglichkeit,
schnell und sanft Lageveränderungen durchzuführen, indem
der Patient nur minimal bewegt wird.
Wie wird die Mikrolagerung durchgeführt?
Es können bei jedem Patientenkontakt kleinste Lage- und Positionsveränderungen
durchgeführt werden. Diese Maßnahme kann beispielsweise im Uhrzeigersinn
erfolgen. Dazu kann ein zusammengefaltetes Handtuch unter das
Becken geschoben und nach kurzer Zeit unter der Schulter positioniert
werden.
| Ein Tipp aus der Praxis: Sollten Handtücher als Lagerungshilfsmittel
zum Einsatz kommen, so hat es sich als praktisch erwiesen,
eine Handtuch-Farbe für die Lagerung zu standardisieren. Jedem
ist sofort ersichtlich, dass eine Mikrolagerung durchgeführt
wird. |
Welche Hilfsmittel können eingesetzt werden?
Zur Durchführung einer Mikrolagerung eignen sich besonders gut
Handtücher, Bettdecken (gefaltet / als Rolle) sowie Kissen. Der
Hilfsmitteleinsatz sollte unter dem Aspekt „weniger ist mehr“
erfolgen, um negative Auswirkungen auf Bettklima und Bewegungsfreiheit
des Patienten zu vermeiden. Da keine speziellen Lagerungshilfsmittel
zum Einsatz kommen, kann die Mikrolagerung auch von pflegenden
Angehörigen durchgeführt werden.
Wie kann die Mikrolagerung dokumentiert werden?
Die Dokumentation erfolgt auf einem Bewegungsplan.Dieser Bewegungsplan
kann individuell der Versorgung oder Einrichtung angepasst werden.
Derzeit gibt es noch kein standardisiertes Verfahren zur Dokumentation.
Besondere Vorkommnisse werden in der Pflege-dokumentation fixiert.
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