Entstehung - Wie entsteht ein Dekubitus ?
Die Hauptursache für die Entstehung eines Dekubitus ist die Immobilität
eines Patienten. Dadurch ist es ihm nicht möglich, dem Druck,
der durch die Belastung des Sitzens oder Liegens innerhalb einer
gewissen Zeit entsteht, durch Ausgleichsbewegungen auszuweichen.
Dieser Druck bewirkt die Komprimierung, das Zusammendrücken,
der versorgenden Blutgefäße in einem Gewebe. Mangeldurchblutung
ist die Folge, so dass das nährstoff- und sauerstoffreiche
arterielle Blut nicht mehr zu den Zellen transportiert werden
kann. Bei länger anhaltendem Druck auf ein räumlich begrenztes
Hautareal sterben die betroffenen Körperzellen ab, wobei die entsprechenden
Nervenzellen schon wesentlich früher irreversibel geschädigt
sind.
Neben der arteriellen wird auch die venöse Durchblutung unterbrochen.
Folglich werden anfallende saure Stoffwechselprodukte nicht
abtransportiert.
Der Anstieg dieser sauren Substanzen im Gewebe löst beim gesunden
Menschen einen Reflex aus, der zu einer minimalen Bewegung
führt. Aber auch der entstehende Druckschmerz führt in der Regel
zu einem Positionswechsel.
Bei älteren und dekubitusgefährdeten Personen ist dieser Reflex
häufig nur noch in abgeschwächter Form vorhanden, so dass nicht
mit einer notwendigen Bewegung reagiert wird.
Kommt es zu einer Übersäuerung im Gewebe, reagiert der Körper
mit der Weitstellung der Gefäße. Das führt zu stärkerer
Durchblutung, erkennbar an einer starken Hautrötung. Diese
sogenannte Gefäßdilatation bewirkt den Flüssigkeits- und Eiweißaustritt
in das Gewebe und fördert die Entstehung von Ödemen und
Blasen. Zusätzlich kommt es zu einer Gefäßthrombose.
Ein Druckgeschwür ist entstanden.
Stichwort: Scherkräfte
Untersuchungen haben ergeben, dass neben dem Druck auch
Scherkräfte bei der Entstehung eines Dekubitus in
bedeutendem Maße mitwirken. Unter Scherung wird im pflegerisch-medizinischen
Sprachgebrauch die Verschiebung der verschiedenen Hautschichten
gegeneinander verstanden. Sie ergibt sich beim Umdrehen,
Ziehen und Lagern des Patienten. Die Scherung bewirkt eine
Verdrillung der Blutgefäße und unterbindet
damit ebenfalls die Blutzirkulation.
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Gerade bei älteren Menschen können durch Scherkräfte ganze
Hautschichten voneinander
getrennt werden. Dafür verantwortlich sind die Hautveränderungen
dieser Altersgruppe. Die Haut älterer Personen erfährt eine Abnahme
des Wassergehalts und einen Elastizitätsverlust. Sie
wird schlaffer, das Unterhautfettgewebe wird zunehmend weniger.
Durch die nachlassende Aktivität der Talgdrüsen trocknet die Altershaut
vermehrt aus. Diese Besonderheiten der Altershaut führen zu einer
insgesamt größeren Verletzlichkeit bei gleichzeitig verlangsamter
Wundheilung. Aus diesen speziellen Gründen ist es wichtig,
gerade auf die Haut älterer Patienten ein besonderes Augenmerk
zu richten und sie mit großer Sorgfalt zu pflegen.
Eine weitere Ursache für einen Dekubitus ist in der Reibung
zu sehen, die zu Hautschäden führt. Reibung, die beispielsweise
durch das "Runterrutschen im Bett" verursacht wird, führt zu Verletzungen
der Haut. Auch ungeeignete Kleidung, Nachtwäsche oder zu enge
Schuhe können Reibung erzeugen, die das Entstehen eines Dekubitus
fördern.

Abb. 3: Entstehung eines Dekubitus
Entstehungsorte - Wo entsteht ein Dekubitus ?
Ein Dekubitus entsteht bevorzugt an Körperstellen, die sich
- a) durch Knochenvorsprünge und
- b) geringe Abpolsterung durch Muskel- und Fettgewebe auszeichnen.
Am häufigsten treten Druckgeschwüre in der Steißregion, an den
großen Rollhügeln (Trochanteren) und an den Fersen auf. Aber auch
die Ohren, der Hinterkopf, Schulterblätter und Zehen können betroffen
sein.

Abb. 4: Primäre Entstehungsorte für Dekubitus in verschiedenen
Körperpositionen
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